Corona, die Dritte: Ausgabe mit Hindernissen

Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Das war nie deutlicher als bei dieser Aktion der Ramadanpakete. Nicht nur, dass wir ein Spendenboom an zwei aufeinanderfoldgenden Tagen hatten, sondern auch der schnelle Einkauf, um steigende Preise zu verhindern, das rasante Packen und der unerfüllte Wunsch nach einer stressfreien und Coronaregeln-konforme Ausgabe der Pakete.

Am 4.4. waren wir mit dem Packen fertig. Dann Sonntag Pause. Ab Montag den 6.4. verteilte mein Mann täglich bis Donnerstag ca 20-30 Pakete, meist mit dem Auto, um kein Massenaufkommen zu riskieren. Freitag wieder Pause und Samstag haben wir uns dann alle im Büro versammelt um eine kleine Ausgabe zu wagen.

Leider sprach sich dieser Umstand wie ein Lauffeuer im Ort herum, und sie kamen in Scharen. Ein Polizist vor der Tür half auch nicht viel. Einige alte Frauen standen bis 17 Uhr vor der Tür bis sie geschwollene Füße hatten. Als wir nach Hause gingen und die Gartentür öffneten, strömten sie in Gruppen herein. Der Hinweis, dass das Büro nun geschlossen sei, kommentierten sie mit dem Satz, „Dann bis Montag“, das irgendwie wie eine Drohung klang.

Vielleicht noch zur Ergänzung, dass mein Mann, der die ganze Ausgabe leitete, gleich zu zwei Corona-Risikogruppen gehört, aber da mussten wir wohl nun durch.

Aus dieser Erfahrung waren wir etwas schlauer und beschlossen, von nun an nur noch mit dem Auto „auszuliefern“. Das Problem war nur, dass wir die Pakete ja erst einmal irgendwie einladen mussten.

Sonntag kurz vor dem Dunkelwerden, ging es dann weiter. Damit hatte wohl niemand gerechnet, und es verlief relativ ruhig.

Aber dann kam der „angedrohte“ Montag. Unser Nachbar, der Ladenbesitzer, rief uns an und sagte, dass seit 9 Uhr einige Frauen auf uns warteten. Es kam aber keiner von uns, denn wir wollten unsere Aktion ja erst wieder abends machen. Dennoch, sie harrten aus.

Als mein Mann dann vorfuhr, um die Pakete einzuladen, fand er ca 300 Personen, und 3 Polizisten vor, die verzweifelt versuchten die Menschenmenge auseinander zu treiben. Sie schafften es, ca 50 Pakete ins Auto zu packen, noch einige auszugeben und machten sich auf den Weg. Leider gibt es davon keine Fotos, denn meine Mannschaft war so überwältigt und ich war nicht da.

Am nächsten Tag waren noch ca 50 Pakete im Büro, und die Menschenmenge war auch wieder da. So wurden schließlich die letzten noch verteilt und dann war

RUHE!!!

Also fast, denn irgendjemand hatte die Telefonnummer meines Mannes bekannt gegeben und nun klingelt hier seit einer Woche das Telefon im Sekunden-Takt, ob wir noch Pakete haben. Das nächste, was nun kommen muss, ist eine Geheimnummer.

Schlimm, wenn die Armut so groß ist, dass sogar die Vorsichtsmaßnahmen gegen einen Virus einfach ausser Kraft gesetzt werden.

Vor dem Büro am Samstag
Links unsere Putzfrau, die großartig geholfen hat, denn sie kennt fast alle unsere Members und weiß wo sie wohnen. Die anderen sind die 4 älteren Damen mit den geschwollenen Füßen.
Hier stürmen sie in unseren Garten, um auch noch etwas abzubekommen.

Wir suchen immer noch einer Lösung, es zivilisierter zu gestalten, aber jetzt haben wir ja wieder ein Jahr Zeit zum Überlegen.

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