Spenden in Zeiten der Krise

In den letzten Tagen ist etwas Sensationelles geschehen. Wir waren davon ausgegangen, dass jeder jetzt mit der Bewältigung seiner eigenen Probleme beschäftigt ist. Doch da haben wir uns getäuscht. Als unsere Sponsoren erfahren haben, dass das Coronavirus nun auch in Gambia angekommen ist, stieg die Hilfsbereitschaft exponentiell an.

Am 13.1.20 riefen wir zum ersten Mal in diesem Jahr dazu auf, für Ramadanpakete zu spenden. Ein Paket kostet 25€ und innerhalb von 2 Monaten hatten wir 104 Pakete zusammen. Gott sei’s gedankt. Bis zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, wir hätten alle Zeit der Welt.

Am 16.3.20 posteten wir dann zwei Texte über unsere Ramadanpakete nur in einer Whatsappgruppe und an ein paar Freunde und Bekannte. Den ersten darüber, wie sehr wir uns 500 Pakete wünschen, trotz Corona „Notfall: Iftarpakete für Gambia“ und den zweiten über die aktuelle Situation des Vereins „Lösungen aus der Krise“. Darin ging es um unsere Nöte und deren Lösungsansätze. Die erfahrenste Mitarbeiterin plötzlich gestorben, die meisten unserer Paypalkonten gesperrt, Geld, dass wir mit nach Gambia bringen wollten, wurde plötzlich nicht vor unserer Abreise ausgezahlt. So hatten wir am Ende zwar einiges Geld auf dem deutschen Konto, nur leider kein Geld in Gambia, um unsere Projekte voranzubringen. Wie schwierig es in manchen Situationen sein kann, und wie wir mit solchen Situationen umgehen, könnt ihr, so Gott will, bald in meinem Buch nachlesen.

Einen Tag später, am Dienstagabend, den 17.3. war es dann soweit. Es wurde bekannt gegeben, dass Gambia seinen ersten Coronafall hat. Eine junge Gambierin, aus UK kommend brachte das Virus ins Land. Sie begab sich sofort in ein Krankenhaus, doch was ist mit ihren Mitreisenden? Heute 6 Tage später gibt es immer nur noch einen Fall. Am selben Abend meldete sich dann der Präsident mit einer Pressemitteilung an die Einwohner und ließ ab dem folgenden Tag die Schulen schließen und alle Zusammenkünfte, Meetings und Konferenzen streichen.

Mir schossen sofort tausend Gedanken durch den Kopf. Ich machte mir weniger Gedanken um die Verbreitung des Virus als darum, ob die Armen im Verlauf der Krise immer an Essen kommen werden und zu welchem Preis? Die Gambier sind leider dafür bekannt in Krisen und vor dem Ramadan so richtig zuzugreifen. Meine Idee war gar nicht so abwegig, denn bereits am nächsten Tag stieg der Reispreis leicht an.

Nun hieß es, so schnell wie möglich das Geld aus Deutschland zu transferieren. Da ich ja quasi 24/7 für den Verein physisch und gedanklich unterwegs bin, hatte ich schon eine Lösung vorbereitet, sie aber noch nicht in Angriff genommen. Das musst nun passieren. Leider kann man auf diesem Weg immer nur 5000€ überweisen, aber immerhin. Auch die Transfergebühren von 3% hielten sich im Rahmen im Vergleich zu anderen mit 13%.

Während ich noch mit diesen organisatorischen Dingen beschäftigt war, passierte etwas Wundervolles. Anscheinend fühlten viele unserer Sponsoren das Gleiche wie ich. Epidemie und Armut ist eine ganz schlechte Kombination. Erreichten wir am Tag der Bekanntmachung schon 171, waren es am nächsten Tag schon 420 Pakete. Unser Ziel von 500 Pakete wurde dann noch am Folgetag, Mittwoch mit 536 sogar überschritten. Mittwochabend dann noch einmal Geld überwiesen, das ich schon Donnerstag vormittag abholen konnte.

Donnerstag dann der Großeinkauf. Den ganzen Vormittag haben wir die Preise am Telefon eingeholt, die sich teilweise im 15 Minuten-Takt verändert haben. Wir haben gerechnet und zusammengestellt, wieder verworfen und neu geplant. Als unser „Einkaufszettel“ dann stand, habe ich drei Mitarbeiter losgeschickt, die Waren zu bestellen. Ich bin absichtlich nicht mitgegangen, sonst hätten sie wieder Toubab (Europäer)-Preise aufgerufen.

Da zu befürchten war, dass der Hafen bzw. die Grenzen geschlossen werden, machten plötzlich viele Händler Hamsterkäufe, und so wurden die Transportfahrzeuge plötzlich knapp. Da wir ja auch noch für 2 Monate 230 Reissäcke gekauft hatten, brauchten wir 2 LKWs, um unsere Waren zu transportieren.

Reis für 2 Monate

Am Freitag klappte es nicht, aber am Samstag kamen sie dann, und es wurde gepackt und gestapelt bis 21.45 Uhr. Hier ein Video, wie es jetzt in unserem Büro aussieht. Wir mussten sämtliche Möbel ausräumen, damit die Ware Platz hat.

Im letzten Container war auch noch ein Karton mit Uniformen für Ärzte und Krankenschwestern, 2 Inhalatoren und Bettlaken. So konnten wir auch unseren Teil zur Krise beitragen, indem wir die Sachen an ein Krankenhaus für die Ärmsten gespendet haben.

Unser Mitarbeiter mit dem Klinikchef

Ende des Monats wird nun der Reis verteilt nach strengen Regeln, damit sich nicht mehr als 10 Personen in unserem Büro aufhalten, und sobald der Reis verteilt ist, werden wir mit dem Packen beginnen. So Gott will, das haben wir wohl aus der Krise gelernt. Wenn Gott nicht will, geht gar nichts mehr.

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