Am Samstag in Kuloro

Erinnert ihr euch? Letztes Jahr haben wir für 10 Matratzen für die Bewohner des Dorfes Kuloro gesammelt. Letzten Samstag war es dann endlich soweit, und wir haben die Matratzen kaufen und ins Dorf bringen können.

Das klingt jetzt alles ziemlich sachlich, aber Kuloro war wie immer ein sehr aufregender Ausflug.

Der Weg in das eine Stunde entfernte Kuloro führte uns wieder am Flughafen vorbei in die sehr hektische Stadt Brikama. Der Markt dort, ist so ungefähr das größte Durcheinander, das ich je gesehen habe. Komisch, dass ich gerade an diesem Abend eine Überlieferung des Propheten Muhammed a.s. geschickt bekam, dass der schlechteste Teil eines Landes der Markt ist. Nun, wir haben es überlebt. Das Geschäft, in dem wir die Matratzen gekauft haben, war ungefähr 4×3 Meter groß, und die Matratzen alle auf einem Stapel. Viel mehr Platz war dort nicht, aber immerhin noch genug für einen kleinen Fernseher, auf dem eifrig Fussball geschaut wurde. Tausend andere kleine Gegenstände hingen an den Wänden und von der Decke. Ein Katapult gab es dann noch gratis dazu „für die nächste gebratene Taube“.

Auf dem Rückweg haben wir dann in dem Gewusel erst unser Auto nicht wieder gefunden, und da waren zwei meiner Kinder drin.

Ein Auto für den Transport haben wir schnell gefunden. Es wurde uns förmlich aufgedrängt. Alle Matratzen stapelten sie oben auf das Dach. Auf der Weiterfahrt nach Kuloro gab es einige Polizeikontrollen, die die Papiere von den Fahrern kontrollierten. Am Wegesrand sahen wir dann einige Frauen Orangen verkaufen. Das kam uns wie gerufen. Es war heiß und die Luft staubig vom Sahara-Sand. Eigentlich wollten wir nur 4 Orangen, doch als wir auf die Stände zufuhren, rannten uns sieben Frauen entgegen. Vier streckten uns ihre Netze von der Beifahrerseite ins Auto und drei von der Fahrerseite. Komisches Gefühl, wenn dir plötzlich drei Arme mit drei Netzen vor der Nase baumeln. Schließlich kauften wir statt vier Orangen vier Netze voller Orangen, denn so leicht sind wir aus der Nummer nicht mehr heraus gekommen.

In Kuloro angekommen, begutachteten wir ersteinmal den Moscheebau. Sie sind gerade dabei den Fußboden zu gießen. Weitere Zementsäcke wurden bezahlt, und so langsam fanden sich die anderen Dorfbewohner ein, auch meine Freundin Sira, für die ich immer noch einen Reissponsor suche. Sie brachte mich dann wieder in ihren Garten, ihr ganzer Stolz. Sie zeigte mir Pflanze für Pflanze und plapperte munter auf Mandinka. Ich musste mich wahnsinnig konzentrieren, um einigermaßen zu verstehen, was sie sagt. Aber es ging. Gott sei’s gedankt.

An ihrem Bananenbaum hing eine Bananenstaude, die aber noch nicht ganz reif war. Sira ist einer der ärmsten Frauen, die ich in Gambia bisher gesehen habe, und dann will sie mir ausgerechnet auch noch die ganze Staude schenken, wenn sie reif ist. Das ging ans Herz. Gemeinsam spazierten wir dann wieder zurück zum Auto und warteten auf die Matratzen. Als ich ihr erzählte, warum wir in Kuloro sind, und dass sie nun heute endlich ihre Matratze bekommen wird, tanzte sie vor Freude bis ihr schwindelig wurde. Endlich muss sie nicht mehr auf der Isomatte schlafen.

Dann kam auch schon das Auto mit den Matratzen. Die Freude war groß bei den Dorfbewohnern. Plötzlich kamen auch alle Kinder aus den Häusern. Ganz eifrige stellten sich dann vor den Stapel mit den Matratzen und zählten sie durch.

Während die Männer noch einiges zu besprechen hatten, habe ich mich mit den Kindern beschäftigt. Besonders hatte es mir der kleine Muhammed angetan. Erst hatte er fürchterliche Angst vor mir (wahrscheinlich wegen der Hautfarbe). Das Maximum, das über seine Lippen kam war „Hello“. Ich versuchte es dann immer wieder mit einem „Salam alaikum“, und er wieder „Hello“. Seine Großmutter erklärte ihm dann, er müsse „Alaikum salam“ sagen. Irgendwann viel dann der Groschen, und er konnte gar nicht mehr aufhören „Alaikum Salam“ zu sagen. Es machte ihm sichtlich Spaß.

Doch auch mit den anderen Kindern hatten wir unseren Spaß.

Zum Schluss noch ein Gebet zum Dank an die Spender und dann ging es wieder nach Hause.

Auf dem Rückweg sind wir noch an einer Imker-Kooperative vorbei gekommen und haben reinsten Honig gekauft und ein Schild gesehen, mit dem auf eine Montessori-Schule hingewiesen wurde. Das fand ich sehr spannend und werde dem wohl bald mal nachgehen. Ach ja, auf halben Wege blockierte dann noch eine Kuhherde den Weg. Während des Wartens kam uns dann noch der Kuhhirte entgegen, auf seinen Schultern ein kleines Kalb, das wohl zu müde zum Laufen war. Hatte ich so auch noch nicht gesehen. Todmüde aber sehr erfüllt von dem schönen Tag kamen wir dann zu Hause an.

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