Mariama, ein Vorbild in Sachen Geduld

O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. [31:17] 

Heute möchte ich euch von einer ganz besonderen Frau erzählen, die ich gestern treffen durfte. Ich nenne sie Mariama. In Wirklichkeit heißt sie anders, und ich werde auch diesmal keine Fotos zeigen, denn Mariamas Schicksal ist so traurig, dass sie nicht möchte, dass es öffentlich gemacht wird. Es ist eine wahre Geschichte, aber sie ist so herzergreifend, dass ich dieses Mal auch über diesen Blog um Hilfe für diese arme Frau bitte. Eigentlich sollte dieser Blog ausschließllich für Hintergrundinformationen zum Thema Armut, dem Leben zwischen den  Kontinenten und der Menschlichkeit im Allgemeinen sein. Doch besondere Ereignisse erfordern besondere  Mittel. 

Wie einige von euch vielleicht wissen, leite ich eine Hilfsorganisation in Gambia. Für diesen Zweck haben wir eine fb Seite (Help the poor and the needy e.V.) und einen Blog http://help-the-poor-needy.blogspot.com. Wer mehr über unsere Arbeit wissen möchte, den bitte ich sich dort weiterführend zu informieren. 

Doch nun zur Geschichte selbst. Mariama, inzwischen über 60, hatte eine gehobene Stellung in der Regierung. Sie war sehr beliebt, immer freundlich und großzügig, niemals sparsam mit Geschenken und kochte gerne für alle Kollegen. Sie hat 4 gesunde, wunderhübsche und kluge Töchter, alle mit Abitur, ein schönes Haus im eigenen Grundstück. Alles schien perfekt, bis zum Tag X, der ihr Leben komplett veränderte. 

Doch was ging diesem Schicksalsschlag voraus?

Ihr Mann hatte ca. 1,5 Jahre zuvor das Familiengrundstück verkauft. Der neue Besitzer forderte immer wieder sein Grundstück ein, doch der Familienvater vertröstete ihn permanent. Bis der neue Besitzer die Polizei einschaltete. Als eine der Töchter aus der Schule kam, zwang die Polizei sie die Tür zu öffnen. Sie holten den ganzen Hausrat aus dem Haus und warfen ihn auf die Strasse. Die Tochter rief verzweifelt ihre Mutter an. Als sie das Grundstück betrat und sich auswies, hatten die Polizisten ein Einsehen und stellten die Möbel an die Mauer. Abends um 22 Uhr kam dann der Familienvater nach Hause und brachte die Familie auf ein Grundstück irgendwo in der Pampa ohne fließend Wasser und Strom, dann verschwand er zu seiner zweiten Frau. 

Mariama litt mit ihren Kindern in ihrem neuen Zuhause. Die zwei ältesten Töchter hatten später die Chance nach Frankreich bzw. England zu gehen. Das Leben ging irgendwie weiter, aber unter erschwerten Bedingungen. Dann passierte etwas, dass die eh schon schwierige Situation noch verschlechterte. 

Die Mutter erlitt einen Schlaganfall und ist seitdem vom Bauch abwärts gelähmt, und alle vier Töchter sind geisteskrank geworden. Die älteste ist immer noch in London und dort in einer Klinik. Die zweite wurde von ihren Freunden von Frankreich nach Hause geschickt, und die beiden jüngsten waren noch bei der Mutter. Nun sind die zwei mittleren Töchter in einer Psychiatrischen Klinik in Gambia und die jüngste zu Hause. Sie läuft hinter dem Haus auf und ab und redet permanent mit sich selbst, ab und an schreit sie dann auch und beschimpft Leute, die gar nicht anwesend sind. Sie braucht für etwa 25€ monatlich Medikamente, damit sie überhaupt schlafen kann. Eine der Töchter hat auch noch einen 13-jährigen Sohn und eine 7-jährige Tochter. Die Kleine wohnt in dem SOS-Kinderdorf, und der Junge wohnt bei der Großmutter, und sie muss nun auch noch für seine Schulgebühren aufkommen. Er ist sehr gut in der Schule, ich habe das Zeugnis gesehen. Nach deutschen Maßstäben würde ich sagen im Durchschnitt eine 2-. 

Sie wohnen sehr einfach. Ein lieber Freund mietete eine 2-Zimmerwohnung für sie, in der sie jetzt mit ihrer jüngsten Tochter und dem Enkelsohn lebt. Klingt erstmal gut, doch bei näherem Hinsehen, ist auch das nicht optimal. Auf meine Frage, wie wir ihr helfen können zum Beispiel mit einem Sack Reis alle zwei Monate sagte sie, dass sie nicht so viel Reis essen, da ja niemand da ist, der kochen könnte. Manchmal würde die Nachbarin für sie mitkochen. Sie würden eigentlich nur Brot essen. In den Schulferien kommen manchmal Mädchen zu ihr, die dann für 16€ im Monat bei ihr putzen und kochen. Also kaum ein warmes Essen für die Familie. Und das für eine Frau, die in ihren gesunden Zeiten immer für ihre Kollegen gekocht hat. 

Wasser ist auch ein Problem. Sie hatten mal einen Wasserhahn im bzw. am Haus, aber der wurde vor ein paar Monaten abgestellt. Vielleicht hat der Hausbesitzer nicht bezahlt. Jetzt ist auf der Strasse ein öffentlicher Wasserhahn, aber der ist tagsüber nicht zu benutzen, da der Wasserdruck wohl nicht ausreicht. Ich kenne das von anderen Gegenden auch, dann muß jemand von der Familie nachts aufstehen und einige Eimer Wasser für den nächsten Tag holen. So ist es bei ihr auch, nur dass keiner aus der Familie es machen kann. So bezahlt sie 10ct pro Eimer. 

Gekocht wird in kleinen Kohleöfen vor oder hinter dem Haus. Das ist wohl da, wird aber selten benutzt. 

Ich fragte noch, ob sie denn Hilfe aus der eigenen Familie bekommen könne. Sie sagte, ihre Schwestern haben ihr immer geholfen, aber sie sind mittlerweile alle verstorben. Dann hatte sie noch einen Nachbarn, der als Arzt im größten Krankenhaus des Landes gearbeitet hat. Er hat sie immer zu Hause behandelt. Doch nun ist auch er vor 4 Monaten verstorben. 

Als wir kamen saß sie auf ihrem Bett. Ich fragte sie dann, ob sie auch mal vor die Tür kann, oder ins Wohnzimmer. Sie zeigte uns dann ihren Rollstuhl, der aber keine Fußstützen hat. So kann sie niemand irgendwohin fahren, weil ihre Füße auf dem Boden schleifen. So ist ihr Aufenthaltsort meistens das Bett. Am Ende wollte ich dann noch wissen, was denn ihr persönlich größter Wunsch ist. Da strahlten ihre Augen, als sie sagte „eine neue Matratze“. So wie sie jetzt schläft, wacht sie jeden Morgen mit Schmerzen im Rücken und in den Hüften auf. In den Ellenbogen hat sie Arthritis, so dass sie bei jeder Bewegung schmerzen. Da kommen wir noch zu einem anderen Problem – die Tabletten. Sie nutzt jeden Tag Paracetamol für ihre Gelenke. Aber jeder weiß, die Paracetamol in Gambia sind aus Indien, und dort ist mehr Kreide als irgendetwas anderes enthalten. Wirkung gleich Null. Sie wünscht sich ein paar Paracetamol-Packungen aus Deutschland.

Wir hoben dann die Decke auf dem Bett etwas hoch und sahen eine etwa 5cm dicke Matratze, die in mehreren Einzelteilen auf dem Bett lag. Eine neue Matratze „Kingsize“ ca 15cm dick, kostet 60€, zu viel für die kleine Familie. Ich fragte sie, wer denn alles in dem Bett schläft. Der Enkel und sie, die Tochter schläft auf den Fliesen im Wohnzimmer.

Um dieser armen Frau zu helfen, könnte ich mir folgendes Programm vorstellen. Vielleicht finden wir Unterstützer, die uns helfen, die kleine Familie zunächst für ein Jahr zu unterstützen. 

  • 30€ Lebensmittel im Monat
  • 30€ Dienstmädchen im Monat
  • 25€ für die Tabletten der Tochter

Einmalig 

  • 60€ für die Matratze der Mutter und 
  • 30€ für die Matratze der Tochter 
  • einmal im Jahr ca  150€ für die Oberschule des Enkels. (Auf Wunsch schicke ich gerne ein Foto des Jungen per PN oder mail. Ein wirklich hübscher Junge) 
  • Und vielleicht ein neuer Rollstuhl mit Fußstützen. 

Viielleicht gibt es unter den Lesern auch Interessierte, die uns vielleicht mit Medikamenten, Rollstühlen oder andere Sachmitteln aushelfen können. Ein Gebet für die Familie hilft aber auf jeden Fall.

Mariama ist wirklich ein großes Vorbild für mich, ein Schicksal mit Güte, Zuversicht und vor allem Geduld zu ertragen. Sie selbst sagt, wäre sie nicht eine gläubig Frau, hätte sie schon längst aufgegeben. Ich würde mir sehr wünschen, wenn wir ihr ihr Schicksal etwas erleichtern könnten.

O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. [31:17] 

Wer Fragen zu unserem Verein oder diesem Hilfeaufruf hat, kann uns gerne kontaktieren: mail@helpthepoor.de
Unsere Kontonummer ist: 

Help the poor and the needy e.V
Bank für Sozialwirtschaft 

IBAN DE47100205000003291200 
BIC BFSWDE33BER

Danke für deine Aufmerksamkeit und dass du diesen Artikel zu Ende gelesen hast! 

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Glück ist, wenn man trotzdem lacht!

Das ist natürlich etwas einfach ausgedrückt. Aber hast du es schon einmal erlebt, ein Glücks- und Dankbarkeitsgefühl für deine aktuelle Situation zu haben? Es ist ein fast berauschendes Gefühl der Zufriedenheit, wenn alles, so wie es ist, gut ist. Nichts, außer das tägliche Brot wird mehr benötigt, und das eigene Streben kann sich einzig auf die Taten beziehen, die dich Gott und dem Hereafter näher bringen. Dabei spreche ich nicht von einem Aufenthalt in Deutschland, einem Land, in dem es immer fließend Wasser, Strom und ausreichend Essen gibt. Nein, es handelt sich um den Aufenthalt in einem sogenannten Entwicklungsland, das sich, so der Wortlaut, ja erst noch entwickeln muss. Zufrieden zu sein, wenn es kein Strom gibt. Zufrieden zu sein, wenn es länger mal kein Wasser gibt. Dafür aber auch zu erkennen, dass täglich die Sonne scheint, und  dass du nur zum nächsten Baum gehen brauchst, um Bananen und Mangos satt zu haben. 

Im Mangel eine Lebensqualität zu sehen, scheint mir eine Aufgabe, die die einen unfreiwillig machen müssen, andere vielleicht freiwillig einmal tun sollten, um sich wirklich reich zu fühlen. Reich sein im herkömmlichen Sinne erfordert auch eine enorme Aufmerksamkeit auf die erworbenen Dinge. Sie müssen gehegt und gepflegt, gelagert  und geputzt werden. Wir brauchen mehr und mehr Schränke, um all die erworbenen „Schätze“ unterzubringen, vielleicht sogar größere Wohnungen und so weiter. 

Das alles benötigt Zeit. Zeit, die wir damit verbringen, uns um Dinge anstatt um Menschen zu kümmern. Gar nicht davon zu sprechen, dass wir keine Zeit mehr haben für weltliches aber vor allem spirituelles Wissen. Jeder von uns achtet sorgsam darauf, nicht ohne Handy aus dem Haus zu gehen. Aber wer von uns hat denn sein Koran oder seine Bibel immer dabei und liest auch regelmäßig darin? Wer von uns klopft mal bei den Nachbarn und fragt, wie es ihm geht anstatt lieber mit den Freunden aus der ganzen Welt zu chatten? 

Zurück zu den Schränken. Wer einmal zu Besuch bei Familien war, die von der sprichwörtlichen Hand in den Mund leben, der fühlt wie unsinnig es ist, 20 Paar Schuhe im Schrank zu haben so wie mindestens 10 Handtaschen. In diesem Zusammenhang kommt mir immer wieder der Spruch „Weniger ist manchmal mehr“ in den Sinn. Abgeben, entrümpeln, ausmisten macht frei; nicht nur das Haus, auch die Seele.  

Bitte nicht falsch verstehen: Das ist kein Aufruf zur Armut, es ist eine Bitte über den eigenen Überfluss nachzudenken. Die Resourcen sind auf dieser Erde definitiv schlecht verteilt. Die große Politik können wir nicht ändern, auch nicht, wenn wir fleißig zur Wahl gehen. Aber wir können bei uns selbst anfangen. Ich habe es gemacht, und es fühlt sich gut an. 

Sokrates sagte einmal, als er über den Markt ging: „Wie viele Dinge gibt es doch, derer ich nicht bedarf.“

Mit dem zufrieden sein, was man hat. Das gilt nicht nur für Materielles, auch für Lebenssituationen. Es tut weh, wenn du in der eigenen Familie siehst, wie jemand mit seinem Schicksal hadert. Besonders, wenn es keinen Weg gibt, es zu ändern. Niemand möchte seine Angehörigen leiden sehen. Oft hilft dann noch nicht mal gutes Zureden. 

Es gab einmal einen weisen Mann, der Vorträge in der ganzen Welt hielt und plötzliche durch einen Schlaganfall an den Rollstuhl gebunden war. Er schrieb in einem Artikel: I am no more a lecturer, a cellist or a golfer. I am a looking-out-of-the-window-man, but I feel nearer to God than any time before. (Ich bin kein Vortragender mehr, kein Cellist oder Golfer. Ich bin ein aus-dem-Fenster-sehender-Mann, aber ich fühle mich Gott näher als jemals zuvor.

Ich wünsche jedem, ob reich oder arm, dass er Überflüssiges abgeben kann und mit dem Schicksal, das Gott ihm gegeben hat, zufrieden ist. Dieser Wunsch richtet sich besonders an die nach Lampedusa Aufbrechenden als auch an die, die sie dann später beherbergen müssen.  

Abu Huraira, radi’allahu anhu, berichtete, dass der Prophet Muhammed, ṣallā llāhu alayhi wa-sallam, sagte: „Das Reichsein versteht sich nicht als der Besitz von vielen Gütern, vielmehr besteht das Reichsein aus der Tugend der Genügsamkeit, die sich der Mensch zu eigen macht .“ (Al-Bukhari, Kapitel: 74, Nummer: 13)

Familie ist schön, oder?

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Wenn ich von einem Kontinent zum anderen fliege, kommt es mir oft vor, als ob ich durch die Jahrhunderte reise. Bin ich in einem Land, indem die Mehrehe und die Großfamilien an der Tagesordnung sind, und 30 oder mehr Personen einer Familie auf einem Grundstück zusammenleben, ist es, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Nicht selten leben vier Generationen unter einem Dach, jeder hilft jedem, aber es gibt natürlich auch mehr Streitereien. Auf die Frage, wie die jungen Leute denn später einmal leben möchten, gibt es aber dann nur eine Antwort: In einer Kleinfamilie.
Durch die westlichen Einflüsse wie Tourismus und Fernsehen scheint ein Trend zur Individualisierung losgetreten worden zu sein.
Was früher noch überlebenswichtig war, wird heute vielen jungen Menschen oft lästig. Sei es, dass sie als Alleinverdiener eine Großfamilie ernähren müssen, oder als Arbeitsloser von einem anderen Familienmitglied abhängig sind. Individualität ist in beiden Fällen nicht möglich, doch aber so gewünscht.
Ein anderer Trend zur Individualisierung ist auch an den Namen abzulesen. Reden wir von Gambia, dem kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent, stellen wir fest, dass es nicht übermäßig viel verschiedene Familien gibt, das heißt, die Menge an Nachnamen ist begrenzt. Bei den Vornamen sieht es auch nicht anders aus. In muslimischen Ländern werden die Kinder gerne nach berühmten Vorbildern benannt, und traditionell wird das erstgeborene Mädchen Fatou (Fatima) und der erstgeborene Junge Lamin (Al Amin, Beiname des Propheten Mohammed (sws)) genannt. So kommt es nicht selten vor, dass wenn du in eine Schulklasse den Namen Fatou rufst, sich schnell mal 7-8 oder mehr Schülerinnen angesprochen fühlen. Ähnlich mit Aisha (auf afrikanisch Issatou) oder Momodou (Mohammed).
Nicht viel anders verhält es sich mit den Nachnamen. Es gibt verhältnismäßig wenige Familien, die aber alle entsprechend groß sind. Und irgendwie wird man das Gefühl nie los, als ob jeder jeden kennt.
Also wieder nichts mit Individualisierung. Ein paar ganz Clevere lassen sich dann mit ihren Initialen anreden. Manchmal auch mit denen von Popstars. Nun ja. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
So manches Einzelkind in Deutschland wäre froh, wenn es ein paar Geschwister hätte. Oder vielleicht auch nicht? Zeichnet sich ja in Deutschland ein Trend ab, der zum Superindividualisten führt. Ist das gemeinsame Wohnen schon fast zur Zumutung geworden, geht Heiraten schon mal gar nicht. Das gemeinsame Erziehen der Kinder ist auch irgendwie nicht mehr “in“, obwohl es in der Arbeitsteilung um so viel einfacher wäre. So wächst ein Heer von Kindern von alleinerziehenden Hartz4-Empfängerinnen heran, da arbeiten und Kinder erziehen alleine in der Tat nicht so einfach ist. Die Kinder hätten sich das so bestimmt nicht ausgesucht.
So hören wir ständig von der Doppelbelastung der Frauen, aber was machen eigentlich die Männer in der Zwischenzeit? Arbeiten sie etwa doppelt so hart, weil sie weniger zeitliche Verpflichtungen haben?
Für mich ein Zustand einer unerträglichen Kompromisslosigkeit.
Wo ist die nette Kleinfamilie geblieben, in der alle ihre Aufgaben und die Kinder Vater und Mutter haben? Nur wenige davon schon in Afrika und nur noch wenige in Europa.
Es ist nicht zu übersehen, dass die Industrieländer die großen Vorbilder für die meisten Afrikaner sind. Lampedusa lässt grüßen. Doch warum möchte denn keiner mal genau hinsehen, dass dort auch nicht alles Gold ist, was glänzt? Mein Appell daher für heute: Verbessert das, was ihr habt, anstatt dort hinzuschauen, wo auch nicht immer alles klappt.

„Entschleunigung“- Fluch oder Segen

Stell dir vor du hast einen Termin am Dienstag um 15 Uhr, und deine Verabredung kommt am Freitag um 17 Uhr.   Ärgerlich, oder?  Im Sinne unserer schnelllebigen Welt bestimmt. Denn alles unterliegt einer gewissen Beschleunigung. Am markantesten ist wohl der Satz „Zeit ist Geld“, um diesen Umstand zu beschreiben. Doch diese Erfahrung muss man nicht überall machen. Noch gibt es Gegenden, die sehr viel entschleunigter leben als wir in Deutschland. 

Ein anderes Beispiel aus Afrika: Letztens bin ich mit meinem Sohn um 14.30 Uhr zum „Shop“ gegangen, um Lebensmittel zu kaufen, doch der „Shop“ war zu. Ein Passant sagte, der „Shopkeeper“ würde sich bis 17 Uhr ausruhen. Mein Sohn (mit deutscher Prägung) sagte darauf hin: „Aber wenn er jetzt schläft, kann er doch kein Geld verdienen!“

Doch warum erzähle ich das alles? Es geht mir heute um Lebensqualität. Zeit für sich selbst und Gespräche mit anderen zu haben, mit dem anderen zu fühlen. Selten habe ich so viel Mitgefühl erlebt, wie in weniger hoch entwickelten Ländern, in denen Krankenbesuche zu wahren Familientreffen ausarten, zu Beerdigungen und Hochzeiten das ganze Dorf kommt, und wenn ein Baby geboren wird, sind sowie so alle da, um das neue Baby zu begrüßen. 

Jetzt werden viele wahrscheinlich sagen, wie kann man den bei so viel Feierlichkeiten und Mitgefühl noch arbeiten? Ja, das ist ein berechtigter Einwand. Vielleicht ist das auch ein Grund für den langsameren Fortschritt und die insgesamt ärmeren Verhältnisse (zumindest in finanzieller Hinsicht) als in den Industrieländern. Aber worauf kommt es denn an im Leben? Geht es um wirtschaftlichen Fortschritt oder um Lebensqualität? Man könnte meinen, dass es auf einem afrikanischen Markt beispielsweise auch nur um das liebe Geld geht, so hektisch der Eindruck dort ist, doch nein, hier und dort ist immer noch Zeit für einen kleinen Plausch, und es wird viel gelacht. 

Gegenseitige private Besuche sind ein Muss. Oft kann man dann seinen Terminen nicht nachkommen und lässt andere warten, aber einen Besucher wieder weg zu schicken, das geht gar nicht. Wohlstand und Fortschritt sehen anders aus. Bei so viel Gelassenheit muss dann schon noch die Frage erlaubt sein, ob sie mit der nötigen Ernsthaftigkeit, ihr Brot verdienen. Sicher wäre bei dem einen oder anderen mehr Seriösität in der Arbeit oder bei ihren Geschäften auch lukrativer für den Geldbeutel. Doch da fängt ein anderes Problem an. Wir als ein NGO, der sich für die Verbesserung der Lebenssituation der Armen einsetzt, stehen dann immer wieder vor dem Problem, gesellschaftlich gewachsene Gewohnheiten ändern zu müssen/wollen, um ihnen mehr finanziellen Rückhalt anzubieten. Eine nicht immer leicht zu lösende Aufgabe für uns. 

So falle ich dann immer wieder beim Hin- und Her-Reisen von einem Kulturschock in den anderen. Ist mein  Aufenthalt in Deutschland von Smartfone-Nutzern um mich herum geprägt, die in Wartezimmern, der U-Bahn, beim Laufen auf der Straße, in Cafés, auf Spielplätzen und überall nur auf ihr Handy geblickt haben und keine verbale Kommunikation mehr stattfindet. Zum Vergleich mit den Krankenhausbesuchen in Afrika, habe ich in Deutschland erlebt, dass Fotos von frisch operierten Kindern noch im Aufwachraum erstmal auf Facebook gepostet wurden. Ob den Kindern das gefällt, wage ich zu bezweifeln. Persönliche Besuche waren aber eher die Ausnahme.  

Oder die Jugendlichen, die keine „echten“ Freunde mehr nach Hause bringen, sondern nur noch vituelle, die dafür aber rund um die Uhr. Diese ständige Erreichbarkeit erzeugt Stress. Wenn sogar Mitarbeiter einer Firma 24 Stunden am Tag ereichbar sein müssen oder wollen, ist die Be-schleunigung wohl auf ihrem Höhepunkt angekommen. Der so erzeugte Druck löst im schlimmsten Fall Krankheiten aus.  

So komme ich mal wieder zu dem Schluss: etwas mehr Be-schleunigung für die einen und etwas mehr Ent-schleunigung für die anderen, könnte beiden Seiten das Leben lebenswerter machen.