Der Flughafen – ein Ort der Besinnung?

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben …

Besonders Stunden auf dem Flughafen, verfehlen ihre Wirkung nicht. Da kommst du von einem Ort, voll mit Erlebnissen, guten und schlechten, die vielleicht erst noch verarbeitet werden müssen, und reist in einen anderen, der ebenso Erlebnisse, ganz anderer Natur mit sich bringt.

Und dann hängst du da auf dem Flughafen und denkst. Die Gedanken wälzen sich durch den Körper: Abschied, Erleichterung, Sorge, Vorfreude gepaart mit Langeweile, Müdigkeit. Das Gefühl, doch nicht alle Aufgaben abgeschlossen zu haben, und Sorge vor den neuen Aufgaben, die noch kommen.

Ablenkung hilft partiell, doch irgendwie kommt man aus der Nummer nicht mehr raus. Du kannst ja nicht weg. Gefangen in der Sprachlosigkeit und überflutet von Eindrücken. Egal, ob du von einem Gate zum anderen läufst, dir die Auslagen in den Geschäften ansiehst oder auf Imbiss-Suche gehst, die Gedanken gehen mit. Warten auf den Anschlussflug, und dauert es noch so lange. Geduld ist gefragt und wird von uns erwartet. Das macht uns Erwachsene schließlich aus. Wir müssen geduldig sein. Wenn ich mir die Kinder so um mich herum ansehe, sie dürfen ungeduldig sein und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Doch sie schleppen auch nicht so ein Gedankenknäul mit sich herum.

Mein Magen fing an zu rebellieren, ich hatte das Gefühl, völlig übersäuert zu sein. Entspannung muss her. Was dann immer wieder hilft, ist ein Gebet. Ich erinnerte mich an die Bedeutung des Wortes „Islam“: Hingabe in den Willen Gottes. Das Schicksal annehmen, offen sein für alles, was kommt. Das schien zu helfen. Es als eine Prüfung anzunehmen. Doch dann gibt es Jahre, in denen fragt man wieviele Prüfungen kann ein Mensch in kürzester Zeit eigentlich bestehen?

Da fiel mir ein Gedanke ein, den ich vor ein paar Tagen hatte. Ich fragte mich, warum ich mich so schwer tue mit dem Auswendiglernen, dann zweifelte ich an mir, ob ich wohl noch einmal eine Sprache lernen können, das ist mir doch früher so leicht gefallen. Dann dachte ich, vielleicht bin ich einfach zu alt für Lernstoff und Prüfungen. Doch jetzt habe ich die Erklärung: Ich gehe zur Zeit durch eine solche Menge von Persönlichkeitsprüfungen, dass für Wissensprüfungen einfach keine Kraft mehr übrig bleibt.

Doch ist das jetzt wirklich eine Erklärung oder doch nur eine Ausrede? Könnte nicht die Beschäftigung mit dem Wissen und dessen Erlangung auch eine Chance zur inneren Ruhe sein? Ein Versuch wäre es zumindest wert, sofern die Konzentration es zulässt. Es könnte sich auch als großartige Ablenkung erweisen, wenn die Gedanken mal wieder Purzelbäume schlagen.

Mein Selbstversuch hat sich als recht erfolgreich erwiesen. Zusammenfassend kann ich nur empfehlen, wenn ihr euch eine lange Wartezeit nicht mit Grübeln vermiesen wollt, versucht etwas auswendig zu lernen. Zwei Fliegen, eine Klappe. Du verstehst?

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